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{{Infobox ICD
| 01-CODE = H93.1
| 01-BEZEICHNUNG = Tinnitus aurium
}}

'''Tinnitus aurium''' ().

Definition

Tinnitus ist eine Hörerfahrung, die ohne einen auf das , abzugrenzen.

Tinnitus kann auch bei der Mehrheit hörgesunder Menschen künstlich erzeugt werden, und zwar bereits durch einen bloßen Aufenthalt von nur wenigen Minuten in einer lautlosen, schallisolierten Kabine. Als mögliche Erklärungen hierfür wurden eine ungewohnte Beeinflussung der normalen Lautstärkeabstimmung im auditorischen Gehirn oder eine Aufdeckung eines bereits vorher vorhandenen ? aber durch das normale Umweltrauschen verdeckten ? schwachen Tinnitus diskutiert. Es wird angenommen, dass Tinnitus ? wenn er eine Folge von Hörstörungen ist ? in ähnlicher Weise entsteht wie Phantomwahrnehmungen und , PMID 17130796 (Review).</ref>

Akustischer oder anderweitiger Stress erhöht das Risiko der Auslösung von Tinnitus. Gehirnareale, die hier beteiligt sind, etwa die , PMID 22440225 (Review).</ref>

Außerdem zeigten Studien, dass bei Betroffenen die n an nahezu allen Stationen der aktiver sind als bei Menschen ohne Tinnitus. Demnach feuern die dieser Menschen öfter spontan und reagieren zudem empfindlicher auf äußere Reize.

Hyperakusis

Nicht selten ist Tinnitus mit einer Überempfindlichkeit auf Schall auf dem betroffenen Ohr verknüpft. Die Häufigkeit des Auftretens einer . PMID 32731492</ref>

Mögliche Folgeschäden

Tinnitus kann mit folgenden psychischen Begleiterscheinungen einhergehen:
  • en
  • zustände
  • en

Viele Tinnitus-Betroffene bilden jedoch keines der oben erwähnten Symptome aus.

Der oft diskutierte Gründen jedoch verbieten, ist eine völlige Klärung des Sachverhalts nicht möglich.

Die Mehrzahl der von Tinnitus betroffenen Patienten kann auf Dauer die Ohrgeräusche gut und leidet unter keiner oder lediglich einer geringen Einschränkung der Lebensqualität (). Dennoch bleiben etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung in ihrer Lebensqualität durch den Tinnitus beeinträchtigt.

Formen

Nach dem Zeitraum der Wahrnehmung eines Tinnitus werden im deutschsprachigen Raum in der Regel unterschieden:
  • akuter Tinnitus (bis drei Monate)
  • chronischer Tinnitus (über drei Monate)

In der Vergangenheit wurde ein Tinnitus, der zwischen drei und sechs Monaten anhielt, auch als bezeichnet. Bislang gibt es keine wissenschaftliche Grundlage für die Einteilung in zwei bzw. drei Phasen, sie richtet sich lediglich nach Erfahrungswerten. Hierdurch erklären sich die unterschiedlichen Angaben. In der akuten und subakuten Phase kommt es vergleichsweise häufig zu einer spontanen Heilung oder Besserung der Symptome. Je länger der Tinnitus besteht, desto höher ist jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass er dauerhaft bestehen bleibt.

Die jüngere Forschung geht mittlerweile davon aus, dass es eine größere Zahl von Unterformen von Tinnitus mit jeweils unterschiedlichen Entstehungskomplexen gibt. Hirnregionen, die dabei betrachtet werden, sind der und der . Beide Regionen sind involviert bei der Entstehung chronischer Schmerzen.

Weitere Forschung befasst sich mit dem Phänomen des ?somatosensorischen Tinnitus?, vereinzelt auch ?somatischer Tinnitus? genannt.

Dadurch wird es möglich, Tinnitus neben seiner Phasenunterteilungen in akut und chronisch weiter nach Ursachen zu untergliedern:
  • Beschädigung von Haarzellen im Ohr
  • Neurologische Veränderungen in der Stammhirnregion
  • Neurologische Veränderungen im präfrontalen Cortex

Die Heterogenität der Ursachen kann eine Erklärung dafür sein, wieso verschiedene Therapieansätze bei einigen Patienten funktionieren und bei anderen nicht, weil unterschiedliche Ursachen auch unterschiedliche Therapien erfordern. der Tinnitusformen ist daher erforderlich, um spezifische Therapieformen (weiter) zu entwickeln.

Audiometrische Untersuchung (Tinnitusmatching)

Voraussetzung für das Tinnitusmatching ist die Erhebung eines es, also die Feststellung der . Fast immer ist Tinnitus mit einer Hörstörung verbunden.

Die Charakteristika eines Ohrgeräusches werden durch Untersuchungen erfasst:
  • Bestimmung der Tonhöhe des Ohrgeräusches (Vergleichsmessung mit oder ).
  • Verdeckungsmessung mit Sinustönen oder Schmalbandgeräuschen. Typischerweise kann ein innenohrbedingtes Ohrgeräusch durch Sinustöne oder Schmalbandgeräusche 5?10  (bis 20 dB) über der Schwelle verdeckt werden.
  • Messung der Residual-. Typisch für innenohrbedingte Ohrgeräusche ist, dass das Ohrgeräusch nach Beendigung einer Verdeckung mit Sinustönen oder Schmalbandgeräuschen einige Sekunden unterdrückt wird und erst dann wieder auftritt.

Therapien

In der aktuellen S3- werden auf Grund fehlender Wirksamkeitsnachweise nicht empfohlen.

Wegen der vielfältigen möglichen Ursachen des Tinnitus kommt der exakten Diagnose bei Tinnituspatienten eine entscheidende Bedeutung zu. Verschiedene Behandlungen werden angewandt: akustische Stimulation, Ansätze, medikamentöse Therapieverfahren, , magnetische und elektrische Gehirnstimulationsverfahren.

Kognitive Verhaltenstherapie

Nachweise bestehen für die Wirksamkeit von , PMID 20824844 (Review).</ref>

Tinnitus-Retraining-Therapie

Eine Kombinationstherapie bestehend aus ''kognitiver Verhaltenstherapie'' und akustischer Stimulation () zeigt keine höhere Wirksamkeit als kognitive Verhaltenstherapie allein und wird daher nicht empfohlen.

Medikamentöse Behandlungen bei akutem Tinnitus

Bei neu auftretendem Tinnitus erfolgte im deutschsprachigen Raum manchmal eine medikamentöse Behandlung mit en ist dieses Vorgehen jedoch nicht mehr aktuell.

Einzig das lokale Anästhetikum konnte in hoher Dosis bei intravenöser Applikation Ergebnisse erzielen, die einer Placebo-Behandlung signifikant überlegen waren. Jedoch hielt die Wirkung in den entsprechenden Studien nur für sehr kurze Zeit an. Darüber hinaus wurde eine hohe Rate von Nebenwirkungen beobachtet, sodass eine langfristige Therapie mit Lidocain nicht in Frage kommt.

Ebenfalls ohne Wirksamkeitsnachweis bleiben Methoden und Arzneistoffe der und der und koreanischen Medizin.<ref name="HOM">Birgit Mazurek et al.: ''Chronischer Tinnitus.''
In: Deutsches Ärzteblatt 13 (119), 1. April 2022, S. 219</ref>

Der Nutzen von konnte nur bei Tinnituspatienten gezeigt werden, die an Tinnitus und en litten.

Sonstige Therapieversuche

Seit 2008 wird , PMID 25968009 (Review).</ref>

Elektrische , PMID 27403346, (Review).</ref>

Akustische Stimulationen (Verdeckung durch Geräusche, patientenspezifisch gefilterte Musikanwendungen (?notched music?), ?Coordinated-Reset?-Neuromodulation) haben bisher ? Stand 2017 ? keine Ergebnisse erzielt, die eine Empfehlung für den allgemeinen therapeutischen Einsatz rechtfertigen würden.<ref name="PMID27995315">H. P. Zenner, W. Delb, B. Kröner-Herwig, B. Jäger, I. Peroz, G. Hesse, B. Mazurek, G. Goebel, C. Gerloff, R. Trollmann, E. Biesinger, H. Seidler, B. Langguth: ''A multidisciplinary systematic review of the treatment for chronic idiopathic tinnitus.'' In: ''European archives of oto-rhino-laryngology. Official journal of the European Federation of Oto-Rhino-Laryngological Societies. Affiliated with the German Society for Oto-Rhino-Laryngology ? Head and Neck Surgery.'' Band 274, Nummer 5, Mai 2017, S. 2079?2091, , PMID 27995315 (Review).</ref>

Es gibt eine Vielzahl alternativer Behandlungsmethoden, die jedoch größtenteils sehr umstritten sind. Unter anderem wird die zur Erweiterung der Blutgefäße in Kopf und Hals, die oder die verwendet. Die Patienten müssen die Kosten für diese Behandlungen in der Regel selbst aufbringen, da ihre Wirkung unbewiesen ist. Zu berücksichtigen ist, dass Tinnitus in der Akutphase auch ohne Behandlung leiser werden bzw. ausheilen kann.

Eine europäische Leitlinie von 2019 gab eine schwache Empfehlung für eine Anwendung von en, wenn Tinnitus zusammen mit auftritt. Dabei kann eventuell durch Verstärkung der Umgebungsgeräusche die des Tinnitus reduziert werden.<ref name="PMID30847513">R. F. Cima, B. Mazurek, H. Haider, D. Kikidis, A. Lapira, A. Noreña, D. J. Hoare: ''A multidisciplinary European guideline for tinnitus: diagnostics, assessment, and treatment.'' In: ''HNO.'' Band 67, Suppl 1März 2019, S. 10?42, (Review).</ref>

Eine Studie aus dem Jahr 2006 deutet auf eine wichtige Rolle der Erwartungshaltung von Tinnituspatienten hinsichtlich des vermeintlichen Therapieerfolges hin. Tinnituskranke, die vor Behandlungsbeginn eine positive Einstellung zur hyperbaren Sauerstofftherapie hatten, vermeldeten demnach deutlich häufiger Verbesserungen als solche mit einer neutralen oder negativen Einstellung.

In der n an Tinnituspatienten liegen zu dieser Behandlung bislang nicht vor.

, das in mehreren Testreihen intensiv untersucht wurde, erzielte bei chronischem Tinnitus die gleichen Ergebnisse wie ein Placebo-Präparat. Die Wirksamkeit einer Ginkgotherapie muss daher stark in Zweifel gezogen werden.

Bezüglich einer liegen weder qualitativ ausreichende Studien vor, die einen en Zusammenhang zwischen Störungen in Kauapparat oder (kraniomandibuläre Dysfunktionen) und Tinnitus belegen, noch solche, die die Wirksamkeit einer derartigen Therapie bei Tinnitus beweisen.

Zur Anwendung der , bei der das Innenohr von außen mit einem Laser bestrahlt wird, gibt es in der fachlichen weder wissenschaftlich begründete Konzepte noch aussagekräftige Studien.

Zur , die mit Musik die Funktion des Ohres wiederherstellen soll, gibt es bislang weder wissenschaftlich begründete Konzepte noch aussagekräftige Studien. Das Gleiche gilt für die umstrittene , bei der speziell verzerrte Musikstücke (meist von ) über Kopfhörer gehört werden.

Zu den neuesten Therapieansätzen zählt die ''Neuronale bimodale Stimulation''. Dabei wird einerseits ein akustisches Signal über einen Kopfhörer gesendet, andererseits erfolgt gleichzeitig eine elektrische Stimulation des . PMID 31573942;</ref>

Allgemeine Regeln zum Umgang mit Tinnitus

Der Patient sollte sich möglichst wenig und keiner zu starken akustischen Belastung aussetzen. Um sich nicht auf das Ohrgeräusch zu konzentrieren, könnte akustische Ablenkung genutzt werden, zum Beispiel leise rhythmische Musik. Das ist eine gute Möglichkeit, die Einschlafprobleme, die häufig mit starkem Tinnitus verbunden sind, zu mildern. Generell sollte verhindert werden, dass sich das gesamte Denken und Fühlen des Patienten immer mehr um die Wahrnehmung des Geräusches dreht, da hierdurch erfahrungsgemäß der Leidensdruck wächst. Absolute Stille führt leicht zur Konzentration auf das Ohrgeräusch und verstärkt es subjektiv.

Nach sechs bis zwölf Monaten spricht man von einem chronischen Tinnitus. Dann ist es vor allem wichtig, dass der Betroffene lernt, mit dem Ohrgeräusch umzugehen. Oft tritt nach längerer Zeit eine Gewöhnung an das Geräusch ein, und der Patient empfindet es nicht mehr als so stark störend wie zu Anfang. Hierbei können psychologische Hilfe und n den Patienten unterstützen (siehe oben: ''Kognitive Verhaltenstherapie'').

Eine wissenschaftliche Grundlage für die nach wie vor häufig ausgesprochene Empfehlung, bei Tinnitus haltige Getränke zu meiden, gibt es nicht. Auch die Meidung anderer Lebensmittel ist in aller Regel unnötig.

Vorbeugung

Wer für längere Zeit einem Geräuschpegel von 70 dB oder mehr ausgesetzt ist, hat ein erhöhtes Risiko, an Tinnitus zu erkranken. Entsprechender Gehörschutz hilft, vorzubeugen.<ref name="PMID25273878">D. E. Tunkel, C. A. Bauer, G. H. Sun, R. M. Rosenfeld, S. S. Chandrasekhar, E. R. Cunningham, S. M. Archer, B. W. Blakley, J. M. Carter, E. C. Granieri, J. A. Henry, D. Hollingsworth, F. A. Khan, S. Mitchell, A. Monfared, C. W. Newman, F. S. Omole, C. D. Phillips, S. K. Robinson, M. B. Taw, R. S. Tyler, R. Waguespack, E. J. Whamond: ''Clinical practice guideline: tinnitus.'' In: ''Otolaryngology?Head and Neck Surgery.'' Band 151, Nummer 2, Suppl., Oktober 2014, S. S1?S40, , PMID 11583387.</ref>

Trivia

Einen komponierten Tinnitus gibt es im Nr. 1 e-Moll ?Aus meinem Leben? des tschechischen Komponisten . Etwa zweieinhalb Minuten vor dem Ende des letzten Satzes (nach heutiger Aufführungspraxis) bricht die bis dahin beschwingte Musik plötzlich ab, und über einem bedrohlich klingenden tiefen von 2. , und setzt für etwa zehn Sekunden die erste Violine mit einem langgezogenen viergestrichenem E ein, das durch seine extrem hohe Lage im Gegensatz zu den übrigen Instrumenten wie ein störender Pfeifton wirkt. Dieses E soll den Tinnitus wiedergeben, der den Komponisten quälte.

Literatur



Leitlinien

  • {{Literatur
 |Titel = Tinnitus: assessment and management  ? NICE guideline [NG155]
 |Autor = National Institute for Health and Care Excellence (NICE)
 |Datum = 2020-03-11
 |Sprache = en
 |ISBN = 978-1-4731-3711-0
 |PMID = 32437098
 |Online = https://www.nice.org.uk/guidance/ng155 

}}
  • {{Literatur
| Autor=Kaoru Ogawa, Hiroaki Sato, u. a.
| Titel=Clinical practice guidelines for diagnosis and treatment of chronic tinnitus in Japan
| Sammelwerk=Auris Nasus Larynx
| Band=47
| Nummer=1
| Jahr=2020-02
| PMID=31606294
| Sprache=en
| DOI=10.1016/j.anl.2019.09.007
}}
  • D. E. Tunkel, C. A. Bauer, u. a.: ''Clinical practice guideline: tinnitus.'' In: ''Otolaryngology ? Head and Neck Surgery. Official Journal of American Academy of Otolaryngology-Head and Neck Surgery.'' Band 151, Nummer 2 Suppl, Oktober 2014, S. S1?S40, , PMID 25273878 (freier Volltext).

Siehe auch

Weblinks

  • Ulrike Meyer-Timpe: In: ''Die Zeit Online.'' 25. August 2016.
  • Die Stiftung Tinnitus Research Initiative widmet sich der wissenschaftlichen Forschung nach effektiven Behandlungsmöglichkeiten der verschiedenen Tinnitustypen.

Einzelnachweise